Sinneswahrnehmung - Ästhetik - Proportion
Die Anforderungen und "Spielräume" im Schreinerhandwerk weiten sich immer stärker aus. Deshalb fördern wir im Fach "Wahrnehmung + Gestaltung" auch eine Kreativität, die über das Möbel bzw. Objekt oder den Innenausbau hinausgeht.Die Studenten bearbeiten Projekte zu grundlegenden gestalterischen Fragestellungen. Diese reichen vom freien plastischen Gestalten bis zu konkreten Produktentwürfen. Themen wie z.B. Geschirr und Besteck, Schmuck u.a. Wohnaccessoires, Relief und Ornament, Struktur und Oberfläche, etc. werden gestellt.
Die Entwürfe werden neben den Skizzen meist als Modell ausgeführt. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Schnellentwurf, bei dem es darum geht, in wenigen Stunden eine Entwurfsidee zu entwickeln.
Als Darstellungsmittel dienen Ton, Holz, Glas, Stein, Metall sowie Papier. Im 2D-Bereich ergänzen Collagen und Schriftexperimente sowie Print- und Web-Design das Spektrum möglicher Projekte.
2008/09 Projektarbeit Laminierter Bogenbau
Im Fach Freies Gestalten sollte im Rahmen eines Kurzprojektes ein neues Produkt für den Verkauf von Arbeiten aus den Schulen für Holz und Gestaltung entwickelt werden. Das Produkt sollte technisch anspruchsvoll, ästhetisch überzeugend und handwerklich einwandfrei die Schönheit von Holz zeigen.Nach den jeweils individuellen Entwurfsüberlegungen zu Holzwahl und Bogentyp – zur Auswahl standen ein 66-Zoll Langbogen oder wahlweise ein traditioneller 52-Zoll- oder 58-Zoll-Jagdrecurve – begann die Arbeit an der Realisierung. Nach der Übernahme von Maßen von bewährten Bogenmodellen mussten exakte CAD-Zeichnungen erstellt werden, um die Schablonen für die Verleimung auf der CNC-Fräse herstellen zu können. Erst zu diesem Zeitpunkt war es auch möglich, die Griffstücke im Kern des Laminates vorzubereiten. Die Wurfarme der Bögen bestehen je nach angestrebter Leistungsfähigkeit aus sechs bis acht Schichten, wobei die zwei äußeren Deckschichten immer aus Fiberglas bestehen. Darunter befindet sich der Zierfurnier, der dem Bogen sein Gesicht gibt. Die Kernschichten wurden wahlweise aus zwei Lagen Bambus-, Ahorn- oder Robinien-Streifen gefertigt. Diese sind ’getapert’, d.h. sie verjüngen sich von der Mitte des Bogens zu den Enden hin. Über die Dicke dieser Streifen lässt sich die Zugkraft der Bögen steuern, wobei wir hier über eine Differenzierung im Bereich von Zehntel- millimetern sprechen. Zur Erhöhung der Torsionssteifigkeit und Abwurfgeschwindigkeit kamen bei einigen Bögen noch ein oder zwei Carbon-Laminat-Streifen zur Anwendung. Die Verklebung der verschiedenen Schichten erfolgte mit einem Zweikomponenten-Kleber auf Epoxidharzbasis. Nur diese Verklebung gewährleistet eine hochfeste und gleichzeitig flexible, biegsame Verbindung der sehr unterschiedlichen Materialien, Nach der Aushärtung der Verklebung begann die arbeitsintensive Phase der Fertigstellung von Griffstück, Wurfarmen und den Bogenenden, den sogenannten Tips mit den Kerben zur Aufnahme der Sehne. Bei der Ausarbeitung der Griffstücke rückte die individuelle Anpassung des Bogens an die Hand der SchützInnen in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Ergonomie des Griffes erforderte eine sehr sorgfältige handwerkliche Bearbeitung dieser dreidimensional anspruchsvollen Form.
Die fertig gestellten Bögen überzeugen sowohl ästhetisch als auch handwerklich. Bereits zu unserem Fachschultag am 15. November 2008 konnte ein Prototyp zugunsten unserer Handwerkerhilfe versteigert werden und zur Finanzierung neuer Hilfsprojekte beitragen.




